Horrorpuppen

"Gebt mir eine Puppe und ich mach sie zur Sau!"

Meine Puppen sind keine Kinderspielzeuge. Das waren sie vielleicht einmal, aber nicht mehr, nachdem sie meine Werkstatt passiert haben. In meinen dunklen Hallen wird ihnen auch das letzte Fünkchen Unschuld aus dem Gesicht torpediert. Was bleibt, ist ein Anblick der Hoffnungslosigkeit und des Schmerzes, der allenfalls mentale Verstörung hervorzurufen vermag.

 

Sie mögen Dollraping vielleicht nicht als Kunst anerkennen wollen. Nun gut, das ist dann Ihre persönliche Auffassung, die ich Ihnen keineswegs übel nehme. Doch vergessen Sie dabei nicht, dass schon immer viele Formen der Kunst den finstersten Ecken ihrer Schöpferhirne entsprangen. Beim Bearbeiten der Puppen lasse ich mich treiben und wie in Trance führen, von wem auch immer. Habe ich einmal angefangen, kann ich nichts mehr dagegen tun.

 

Sollten Sie hingegen Interesse an einem bestimmten Objekt haben, beispielsweise für Film- oder Fotozwecke, so kontaktieren Sie mich einfach kurz über Email. Ich bitte zu bedenken, dass es sich bei allen Puppen um Einzelstücke handelt.

 

Holly the Headhuntress

Stellen Sie sich dieses Ding einmal im Spielzeugregal Ihrer Kinder vor. Oder nein, tun Sie es lieber nicht. Eine verantwortungsvolle Mutter würde das Wissen nicht ertragen können, dass ein derartiges Etwas nachts im Dunkeln auf ihren Nachwuchs herabglotzt. Zumal Holly sich augenscheinlich nicht mit anderen Spielzeugen verträgt. Was sie auf ihrem besudelten Schoß trägt, ist schließlich kein Teddy, sondern ... nun, gewissermaßen Kopfsache. Und sie scheint einen gesegneten Appetit zu haben. Ob sich dieser nur auf andere Puppen bezieht, entzieht sich meiner Kenntnis.

 

Wo sich Holly herumtrieb, bevor sie in meinem verdorbenen Verstand auftauchte, ist unbekannt. Ihre Manifestation hingegen verschlang eine Menge Zeit und Nerven.


Ropert

"Wanna play with ropes, my friend?" Dieses Angebot scheint er auf den Lippen zu tragen, und da er die Spielregeln bereits am eigenen Leib demonstriert, meint er es wohl durchaus ernst. Es muss daher wohl nicht weiter erörtert werden, wozu er seinen unglücklichen Besitzer forciert. Danach wird dieser gottlose Zwerg weiter unscheinbar in seiner dunklen Ecke sitzen und auf den nächsten Spielkameraden warten.

 

Ropert war meine erste Arbeit an einer ursprünglich beweglichen Puppe aus weichem Kunststoff, weshalb ich etwas Schwierigkeiten bei der Wahl der Bearbeitungsmaterialien hatte. Ropert war von Beginn an bockig und wehrte sich gegen alles. Während sich die Lösungsansätze herauskristallisierten, trat auch allmählich sein Charakter hervor.

Die Blutbank

Zwei ermordete, offenbar regelrecht hingerichtete Kinderpuppen auf einem blutüberströmten Sofa bilden das Hauptaugenmerk dieser Arbeit. Eine traurige, aber klare Angelegenheit - wäre da die pechschwarze und völlig unversehrte Puppe nicht, die sich zwischen den beiden befindet. Welche Rolle spielt dieses unheimliche Relikt hinsichtlich der beiden künstlichen Opfer? Todesengel? Begleiter auf dem Weg nach - wohin auch immer?

 

Es ist manchmal unheimlich, welchen Weg ein Projekt einschlägt. Das Puppensofa war ursprünglich als "Zwischenwurf" eingeplant. Schließlich verschlang es eine ganze Woche. Die Püppchen waren in einer Weise verarbeitet, die bestimmte Vorhaben meinerseits nicht zuließen. Denn anfangs sollten auch die beiden Geschwister als Mordgesellen auftreten. Nach diversen erfolglosen Versuchen, dies darzustellen, fing ich an, sie regelrecht zu hassen. Diese heftige Emotion war wohl ausschlaggebend für die vielleicht grenzüberschreitende finale Version. Ich wurde gern zu ihrem Mörder. Es tut mir nicht leid - sie hätten halt nicht solchen Widerstand leisten sollen. Moralapostel und besorgte Mütter mögen es mir verzeihen ... oder auch nicht.


Sad Sally

Sally war gewissermaßen der Prototyp meines Dollraping-Projektes. Viele der inzwischen standardmäßigen Arbeiten und Vorgehensweisen testete ich hier erstmalig mittels des Try and Error-Prinzips. Heraus kam die Mutter der Melancholie. Doch es ist mir bis jetzt noch nicht ein einziges Mal gelungen, die tatsächliche Traurigkeit ihres Gesichtes überzeugend fotografisch festzuhalten.

 

Zu Sally habe ich persönlich eine ganz besondere Bindung, die ich mir selbst nicht erklären kann. Möglicherweise versinnbildlicht sie meine ureigenste Bürde, die ich unbewusst in die Arbeit mit einbrachte. Ich weiß es nicht. Aus diesem Grunde bitte keine Interessensbekundungen oder Gebote. Sally bleibt bei mir, sie ist unverkäuflich.


Morty

Frisch vom Seziertisch aus der Gerichtsmedizin präsentiert sich uns dieser kleine Kerl. Er muss wohl schon etwas länger irgendwo herumgelegen haben, seiner Hautfarbe nach zu urteilen. Die Ergebnisse der Obduktion sollen uns aber hier nicht weiter interessieren. Denn trotz fachmännischem Ypsilonschnitt und Schädelöffnung scheint er noch nicht so ganz im Reich der Toten angekommen zu sein.

 

Morty besteht aus drei Komponenten: Seinem Körper, einem abnehmbaren "Kopfdeckel" zur Sicht auf das freiliegende Gehirn und einem passenden Seziertisch. Als erste Puppe aus meiner Prodktion ist er voll beweglich und öffnet im Stand auch noch seine Augen.